|
Der Palmen-Rüssler bedroht die Palmen Südeuropas!
Liebe Raritätenfreunde,
haben Sie schon etwas vom großen Palmensterben in Südeuropa gehört? Nein? Bei uns wurde es auch kaum in den Medien erwähnt, aber auf unserer letzten "Sammelreise" nach Portugal konnten wir uns ein eigenes Bild davon machen.
Eine einzelne Käferart sorgt seit einigen Jahren für das Absterben schöner und großer Phoenixpalmen. Hatte sich der Befall zunächst ab 2005 nur auf den Kanaren abgespielt, sind seit knapp 2 Jahren auch Südspanien und Portugal betroffen. Viele Hafenpromenaden mit ihren majestätischen und mächtigen Palmen sind bereits befallen und in kürzester Zeit könnten sämtliche Dattelpalmen verschwunden sein. Die Charakterpflanze des Südens ist in großer Gefahr.
Schuld daran ist ein maliischer Käfer - der Palmen-Rüssler (Rhynchophorus ferrugineus), der sich zuerst die größten Palmen aussucht und dort seine Eier ablegt. |
 |
Die Larven fressen sich dann durch das gesamte Palmeninnere. Ist eine Palme befallen, gibt es nur noch wenig Hoffnung und die Schädlinge wandern bzw. fliegen weiter zum nächsten Exemplar. Eine befallene Phoenixpalme bekommt zuerst einige braune Wedel; dann werden sämtliche Wedel braun und hängen herab. Letztendlich fallen alle Wedel aus und nur der Palmenstamm steht noch.
 |
Um eine weitere Verbreitung zu verhindern, müssten zerstörte Palmen verbrannt und dann entsorgt werden, da sich im Palmeninneren auch nach dem Absterben noch Käfer, Larven und Kokons befinden. Dies ist jedoch eine kostspielige Angelegenheit und viele Gemeinden haben dafür keine Mittel zur Verfügung. Auch die meisten Privatpersonen zögern, diese radikale Maßnahme bei ihren Palmen anzuwenden.
Bisher war die Bekämpung also kaum möglich und das Hauptaugenmerk liegt jetzt auf der frühzeitigen Erkennung. |
Mittlerweile muss nach §1a der portugiesischen Pflanzenschauverordnung der zuständigen amtlichen Stelle Meldung erstattet werden. Aber was nützt eine Meldung, der keine Handlung folgt? Die Ausbreitungsgeschwindigkeit wächst weiter stetig.
In den letzten 2 Jahren wurde beobachtet, dass Washingtonia - Palmen (Fächerpalmen) und Trachycarpuspalmen (Hanfpalmen) nicht so stark bzw. gar nicht befallen wurden. Allerdings wird davon ausgegangen, dass sich der Palmen-Rüssler auch die Washingtonia vornehmen wird, wenn alle Phoenixpalmen „erledigt" sind. Hanfpalmen scheinen gar nicht befallen zu werden. Es wird daher den Gemeinden, Hotels und Privatgärtnern allgemein empfohlen, zunehmend die Trachycarpus anzupflanzen. Zudem ist die Trachycarpus robuster und frostfest, vermittel aber, wie man einräumen muss, nicht das mediterrane Flair der Phoenixpalme. Aber der Süden Europas ohne Palmen? Unvorstellbar!
|
Doch es gibt Hoffnung! In den Niederlanden wurden in Laboren Käfer und Larven des Palmen-Rüsslers untersucht und die Wissenschaftler dort gehen der Fragestellung nach, wo die Palmen zuerst befallen werden und wie die Larven ins Innere der Palmen gelangen.
Es wurden bereits eine ganze Reihe von bestehenden Pflanzenschutzmitteln und neuen Mischungen getestet. Die Forschung ist wohl bereits soweit, dass ein Mittel zum Abtöten des Palmen-Rüsslers entwickelt werden konnte. Ein spezielles Spritzverfahren immunisiert noch nicht befallene Palmen. Mit einigen Nachfolgebehandlungen ist der Schutz gewährleistet und die Palme erhält sogar eine Art „Prüfplakette".
Wo ist also der Haken? Die Behandlung hat natürlich ihren Preis. Mit etwa 100 € pro Palme wird die Vorsorgebehandlung berechnet.
Bei unseren botanischen Frühjahrs- und Herbsttouren durch Südeuropa mussten wir leider mit ansehen, wie rasant das Palmensterben dennoch weitergeht. Die Zahl der erkrankten Pflanzen ist mittlerweile für Pflanzenfreunde unübersehbar.
|
 |
Mit etwas Pessimismus und der trägen Reaktionsgeschwindigkeit der Politik wird es wohl nur noch ein paar Jahre dauern, bis sich das Pflanzenbild Südeuropas radikal gewandelt hat und wir die hohen Phoenixpalmen mit ihren bis zu 5 Meter langen Wedeln nur noch aus Bildbänden kennen.
Mit Optimismus konnten wir aber auch erkennen, dass aus einigen 10 bis 12 Meter hohen Stämmen zwar zaghaft, aber frisch und grün, kleine neue Wedel nachwachsen.
Zum Jahresende 2011 werden wir Sie über die weitere Entwicklung in unserem Pflanzenbrief informieren.
Die Sonderangebote im Pflanzenbrief sind nur registrierten Abonnenten über die Pflanzenbrief - Mail zgänglich.
Abonnieren Sie den Tropica Pflanzenbrief und als Dankeschön erhalten Sie mit unserer Bestätigung einen Link zum Download unseres Buches "
Pflanzen-Raritäten aus aller Welt".
Mit dem Tropica Pflanzenbrief erhalten Sie regelmäßig Informationen aus der Welt der Pflanzenraritäten und
vergünstigte Angebote, die ausschließlich unseren Abonnenten vorbehalten sind.
Geschrieben am 19.03.2011 um 16:35 Alle Pflanzenbriefe |